Jodel – die neue Super-Marketing-App für Studenten?

von Robert Nabenhauer

Seit März 2018 beginnt Jodel mit der eigenen Kommerzialisierung. Wie für ein soziales Netzwerk üblich, natürlich durch Werbung. Um die Besonderheit von Jodel genauer herauszustellen, ist es zunächst sinnvoll, sich einmal einen Überblick über die 2014 gelaunchte Plattform zu verschaffen.

Jodel ist eine Plattform, auf der die User hauptsächlich lustige Sprüche und Witze posten – und das komplett anonym. Um Jodel zu benutzen, benötigt man noch keinen Account. Die einzige Information, die Jodel verlangt, ist die des Standortes der Person. Bei Jodel sieht nämlich nicht jeder Nutzer die Beiträge jedes anderen Nutzers – befindet sich jemand außerhalb eines Radius von 10 Kilometern, so kann man seinen ‘Jodel’ (d.h. einen Post) nicht lesen. Je näher der Poster des anonym abgesendeten Spruches ist, umso näher wird mir dieser auch angezeigt. Neben lustigen Sprüchen, wird Jodel auch für andere Zwecke genutzt. Vor allem in den ländlichen Gegenden werden somit beispielsweise Blitzer-Warnungen weitergegeben. Ebenso fragen Touristen in fremden Städten über Jodel oft nach guten Restaurants oder Partys. Gepostet werden kann im Text-, Bild- und sogar Video-Format. Jodel hat aktuell ca. 2,5 Millionen Nutzer, davon ungefähr 750.000 aus Saudi-Arabien und über eine Million aus Deutschland.

Völlig anonym?

Das mag fragwürdig klingen. Schließlich bauen Facebook, Instagram & Co. doch gerade auf sich ständig weiter füllende Datenbanken, welche dann intelligent vermarktet werden können?” – Absolut richtig. Jodel zeichnet sich jedoch genau hier aus. Und obwohl man dem Nutzer keine weiteren Daten als den Standort abverlangt, weiss man eine Menge über die Nutzer bei Jodel. Die Jodel-Nutzer sind zum allergrößten Teil Studenten, was auch auf ein bestimmtes Alter schließen lässt – kaum ein ‘Jodler’ ist Älter als 30. Gepaart mit den Informationen über den Standort des Jodlers, lassen sich nun ganz eigene Zielgruppen-Profile erstellen. Karlsruher Studenten studieren beispielsweise tendenziell eher etwas in Richtung Technik (in Karlsruhe befindet sich das KIT, eine der beste IT-Universitäten Deutschlands), während Münchener Studenten oft über ein größeres Budget verfügen als andere Studenten. Kölner Jodler hingegen bewegen sich großteils in Richtung Medien, was mit dem Ruf der Stadt als ‘Medienhauptstadt’ einhergeht. Dies trifft selbstverständlich nicht auf alle Studenten aus den entsprechenden Städten zu.

Nun stellt sich die Frage: “Wie kann ich Jodel für mein Business nutzen?”

Da Jodel über einen sehr einfachen Aufbau, nämlich nur über einen News-Feed verfügt, gibt es hierfür eine zentrierte Möglichkeit. Ist Ihr Produkt für Studenten geeignet, erfüllt es bereits alle Anforderungen für eine erfolgreiche Vermarktung auf Jodel. Besitzen Sie ein Hotel oder ein Restaurant, ist das sogar noch besser, da diese lokal gebunden sind und somit einfach über eigene Jodel-Posts in die Feeds der, sich in der Nähe befindenden, Jodler gepostet werden können. Ebenso verhält es sich mit allen anderen Produkten, bei denen Studenten grundsätzlich zur Zielgruppe gehören. Diese können sogar in jeder Stadt ‘gejodelt’ werden, da sich die Jodel-Zielgruppe demographisch nicht von Stadt zu Stadt unterscheidet. Wirklich interessant wird es jedoch erst, wenn wir über das Schalten von Werbung auf Jodel reden. Das ist doch schließlich das neue Feature, welches Jodel als Unternehmen in eine höhere Liga katapultieren soll.

Zu Beginn waren die Möglichkeiten, auf Jodel Werbung zu schalten, vor allem eins.: Eingeschränkt und teuer. Eine vierwöchige Werbeanzeige kostete 65.000€, zwei Wochen 32.000€. Als Gegenleistung sollte dafür jeder Jodler die Anzeige einmal zu Gesicht bekommen. Das klingt vor allem teuer und ineffizient, da es schlicht und ergreifend nicht erstrebenswert ist, jedem Jodler sein Produkt zu zeigen, wenn man bestimmte Städte als Kunden-Quellen von Anfang an ausschließen kann. Jodel als Marketing-Kanal abschreiben? Sicherlich nicht. Jodel bietet schon jetzt großartige Möglichkeiten, hauptsächlich jedoch als ‘normaler User’ und nicht als Business-Account mit Werbemöglichkeiten. Ein kleiner Geheimtipp: Es gibt auf Instagram und Facebook viele Jodel-Fanpages, welche einfach Screenshots aus der Jodel-App öffentlich posten. Diese haben oft Anhängerschaften im sechsstelligen Bereich. Eine Kooperation mit den Betreibern dieser Seiten könnte somit einen wesentlich kostengünstigeren, aber weniger wertvollen, Zugang zur relevanten Zielgruppe ermöglichen. Suchen Sie hierzu auf Instagram und Facebook einfach einmal nach dem Titel “Jodel”, welcher in den Suchergebnissen solche Seiten zahlreich listen wird.

Man sollte Jodel jedoch mit Sicherheit in Zukunft beobachten. So ist beispielsweise die Veröffentlichung eines eigenen Buchungstools geplant, welches verschiedene Werbe-Formate anbieten und Skalierungsmöglichkeiten ermöglichen soll. Somit würde Jodel auch für mittelständische und kleinere Unternehmen zum attraktiven Werbe-Kanal werden. Aktuell kann das StartUp jedoch im Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mit den Giganten aus Amerika mithalten, welche für kleineres Geld einer viel engeren Zielgruppe Ihre Anzeige vorstellen zeigen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Links: Der Normale Jodel-Newsfeed; Rechts: Der 1.FC Köln wirbt auf Jodel mit einem Gewinnspiel.

Fazit: behalten Sie immer neue Portale im Blick. Es könnte das neue Facebook werden;)

Eines der Portale welche ich aus Business-Sicht sehr empfehlenswert halte ist folgendes: 

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